#25 Slowenien – kleines Land, zu viele Möglichkeiten

Unsere wiedergewonnene Freiheit mit Frieda verbrachten wir zunächst an der slowenisch-österreichischen Grenze. Nicht nur Reisen mit Hund bedeutet organisatorischen Aufwand, reisen an sich geht leider auch nicht ganz ohne Planung. Dies wird uns recht schnell bewusst, als wir wieder unterwegs sind. Wir benötigen den „grünen Versicherungsschein“ für Frieda, um in die nicht EU-Staaten reisen zu können, haben diesen jedoch nicht. Ein kurzes Telefonat mit der Versicherung bestätigt unsere Vermutung, dass der Schein noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen ist. Also wieder nach Deutschland. Ein freier Mitarbeiter des Versicherungsunternehmens in Bayern verspricht Hilfe, dafür müssen wir jedoch das Wochenende abwarten.

Wie sich schnell herausstellt: Slowenien ist nicht nur um Maribor sehr hübsch, so dass uns die Überbrückung leichtfällt. Wir fahren nach Vrbje in eine Art Erholungsgebiet und schlendern bei gutem Wetter um den See und beobachten das Treiben. Die Slowenen bewegen sich auffallend viel im Freien. Bei Sonnenschein sehen wir viele Radfahrer, Läufer, Motorradfahrer, aber eben auch einfach spazierende und spielende Familien in der Natur. Ohne ein besonderes Highlight, genießen auch wir einfach die Zeit draußen, das Kochen im Van und den Abend auf dem Stellplatz mitten auf dem Land.

In Trizc finden wir die perfekte Ausgangslage für unsere Tour nach Bayern. Starten wir unseren Spaziergang durch die kleine Stadt zunächst eher für Juli, führt der Weg schnell ins Zentrum. Die Stadt zieht sich durch das Tal und ist umgeben von herbstlich leuchtenden Bergen. Die Häuser wirken ein wenig renovierungsbedürftig, aber dennoch einladend und gemütlich. Führt uns der Rückweg zu unserem Bus durch grüne Wäldchen, steht Frieda hingegen direkt an einer Kreuzung, die uns eine unruhige Nacht beschert.

Wir stehen früh am Morgen auf und fahren ein Stück den Loiblpass hinauf. Der Pass führt über 1368m über die Krawaken. Ein Kalkgebirge im Süden der Alpen. Direkt vor der Grenze nutzen wir einen Wandererparkplatz für einen Guten-Morgen-Spaziergang mit Juli und ein ausgiebiges Frühstück. Der Weg führt steil den Begunjscica hinauf. Für den gesamten Aufstieg fehlt heute leider die Zeit, aber bereits nach wenigen Minuten haben wir eine unfassbare Aussicht ins Tal. Die drei stündige Fahrt nach Bad Reichenhall führt uns durch Klagenfurt und an Salzburg vorbei, so dass auch unser Großstadtbingo in Österreich nach Graz und Wien fast komplett scheint. Ein kurzer Zwischenstopp in Traunstein verlängert die Fahrt ein wenig. Dominik hat beim Navigieren den falschen Versicherungsvertreter erwischt – wohl zu viel genascht in der schönen Ferienwohnung, die Finger sind zu dick. Ein wenig später als erwartet treffen wir bei unserem Retter ein, der das bayrisch gelassen sieht. Wir waren nicht die Ersten und werden wohl nicht die Letzten sein, denen er beim grünen Versicherungsschein hilft. Auf dem Weg zurück nach Slowenien halten wir spontan an der Burg Hohenwerfen. Montag ist zwar Ruhetag, dafür gehört uns der schöne Weg bis zur Burg ganz allein. Auf dem Parkplatz genießen wir das letzte Tageslicht und werfen kurzerhand unser Abendessen in die Pfanne. Wieder wird uns klar, wie sehr wir das Leben in Frieda schätzen. Kurz vor Slowenien muss sich Frieda erneut den Pass hochqäulen. Zur Belohnung rasten wir direkt auf dem Wandererparkplatz von morgens, wo wir in der Dunkelheit unser Nachtlager aufschlagen. Wer es nicht im Kopf hat, muss es also im Tank haben.

Durch die nicht mehr für eine Reise vorteilhaften Tageslichtverhältnisse wie in Skandinavien, haben wir unsere Tagesroutine umgestellt. Aufgestanden wird mit der Sonne, nur eben ein wenig früher – derzeit 07:00 Uhr. Es folgt ein Spaziergang, Frühstück und schon geht es los. Ziel der nächsten Etappe ist Bled, ein Kurort, der in den Ausläufern der Julischen Alpen liegt und berühmt für den gleichnamigen Bergsee ist. Das blaue Wasser umringt eine kleine Insel auf, die gerade so die kleine Kirche passt. Zum Glück ist das Touristenhighlight gut zu erkunden, da wir in der Nebensaison unterwegs sind. Asiatische Reisegruppen stehen trotzdem dann und wann im Weg herum und lassen erahnen, wie es hier in der Hauptsaison aussieht. Die Überfahrt im Holzboot zur Insel sparen wir uns und spazieren lieber am Ufer des Sees entlang. Der Ort ist aber nicht nur für sein landschaftlich schönes Bild bekannt, sondern auch für seine Bleder Cremeschnitte. Eine Art slowenischer Bienenstich, die auf den ersten Blick ein Zuckerschock vermuten lässt, jedoch unfassbar lecker ist und nach Windbeutel schmeckt. Mit allen Routinen haben wir noch nicht gebrochen – und somit auch in Slowenien Kuchen probiert.

Ein wenig aus der Form gekommen, legen wir einen Pausentag ein, um die Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren zu lassen. Wir stehen auf einem großen Parkplatz in Ziri, erkunden den Ort und nutzen das gute Wetter zum Entspannen und Wäsche waschen. Mit sauberen Sachen und vollen Akkus besichtigen wir die Höhlenburg Predjama. Die Burg ist in Mitten einer 123m hohen Felswand eingelassen. Dennoch auf den ersten Blick keine besonders schöne Burg. Eine unnötig lange Tour in fremder Sprache bleibt uns diesmal erspart, es gibt ausschließlich Audiotouren. Wir wählen die Nummern der einzelnen Zimmer und erfahren, dass die Burg im 12. Jahrhundert errichtet wurde, Sicherheit als oberstes Gebot hatte und nie viel Glanz und Komfort geboten hat. Berühmtester Bewohner der Burg war der Raubritter Erasmus – der slowenische Robin Hood. Die netten Anekdoten des Audioguides machen Spaß und führen uns schließlich in die eigentliche Höhlenburg. Der ehemalige Schutzraum ist mit einem Höhlensystem verbunden und bot der Burg einen geheimen Ausgang. Ein wirklich beeindruckender Anblick. Ein Besuch der sich trotz der etwas hohen Eintrittsgebühr gelohnt hat. Wer früh anreist und dann noch in der Nebensaison unterwegs ist wie wir, kann den historischen Ort vor den ganzen Touristen Bussen entdecken und fast allein durch die Gänge streifen.

Slowenien ist wirklich ein unfassbares Reiseziel. Die schöne Landschaft und die urigen Städte waren uns bekannt. Die Vielzahl an Möglichkeiten auf kleinem Raum haben uns aber schlicht begeistert. Weintouren, Wanderungen, Thermalquellen, Höhlentouren, etc. konnten wir aufgrund Jasmins derzeitigem Gesundheitszustand noch nicht einmal nutzen und dennoch hatten wir wundervolle Tage in Slowenien. Ein wenig melancholisch erreichen wir unsere letzte Unterkunft. Ein Bauernhof, auf dem wir übernachten dürfen, wenn wir im angeschlossenen Restaurant etwas essen. Wir plaudern nett mit der Besitzerin, essen das beste Kotelett unseres Lebens und genießen den letzten Abend in ländlicher Idylle. Neben den klassischen Bauerhoftieren begegnen uns auf unsere morgendlichen Hunderunde sogar ein Rudel Wildschweine. Durch unser Geplapper aufgeschreckt flüchten sie panisch aus dem Unterholz über die Straße. Für Jasmin genug Landleben, wir machen auf dem Absatz kehrt und beschließen die letzten Sonnentage zu nutzen – Frieda nimmt Kurs auf Richtung Adria.