#20 ha det Norge

Kurvig geht es für uns weiter. Die Atlantikstraße verbindet mit acht Brücken auf acht Kilometer mehrere kleine Inseln und die Städte Kristiansund und Molde. Leider ist die Straße wenig spektakulär, eher touristisch, wir reisen einfach weiter.


Laut Wetterbericht soll es heute den letzten Tag sonnig sein und Dominik wünscht sich zum Abschluss unserer Skandinavienreise noch eine Gipfelwanderung. Hinter der Atlantikstraße liegt der Gipfel Melen, eine Wanderung, die eher von Einheimischen unternommen wird. Und tatsächlich, der Weg zum „Parkplatz“ ist von Schlaglöchern übersäht, der Parkplatz eine kleine Ausbuchtung am Waldrand und vor Ort fast nur norwegische Kennzeichen. Die Sonne brennt, der Wanderweg ist kein geheimnisvoller Aufstieg, nur fordernd. Es geht konstant leicht bergauf, immer den Bergkamm entlang. Nur die letzten Meter sind aufgrund der Steigung technisch eine kleine Herausforderung und so erreichen wir am Ende unserer Reise doch noch den 776m hohen Gipfel gemeinsam.

Jasmin ist vermutlich die einzige Gipfelstürmerin, die die Aussicht umringt von anderen Bergspitzen eher beklemmend als befreiend empfindet. Um uns nach der schweißtreibenden Wanderung zu erfrischen, hängen wir die Campingdusche über die Heckklappe und duschen direkt auf dem Wandererparkplatz. Das Leben in Frieda kann so schön einfach sein.


Wieder erwarten startet der nächste Tag mit reichlich Sonne. Wir beschließen die vorerst letzten Stunden an unserem Übernachtungsplatz mit Seeblick zu bleiben, ein wenig Sport zu treiben und ausgiebig zu frühstücken. Als die Wolken die Sonne vertreiben, packen wir zusammen und starten Richtung Ålesund. Unser Tagesendziel ist der Leuchtturm des Ortes Alnes, der zwar sehr schön ist, an dem wir jedoch nicht übernachten dürfen. Wir stellen uns auf die andere Seite der kleinen Insel auf einen großen, freien Parkplatz. Der leere Platz macht Frieda zu einem ausgezeichneten Ziel für den aufkommenden Wind und den zunehmenden Regen. Jasmin ist kein Fan der wackelnden Frieda, es wird umgeparkt. Wir verbringen die Nacht längs stehend über drei Parkplätze direkt an einer Felswand – der Wind kann uns gar nichts.


Da das Wetter am Tag drauf kaum besser ist, fahren wir in den Atlanterhavsparken. Ein Aquarium, in dem wir allerlei Fische bestaunen können, die vor der Küste Norwegens beheimatet sind. Die Quadratmeterzahl der Anlage ist relativ begrenzt, jedoch werden diverse Fütterungen angeboten. Das absolute Highlight ist definitive die Fütterung im Atlanikbecken. Dort wohnen Kabeljaus, Heilbutte, Seewölfe, Seeaale und Lachse, die durch einen Taucher gefüttert werden. Die Fische strömen um den Futtersack, eine Mitarbeiterin vor der Scheibe moderiert das Treiben.
Von der ersten Fütterung beeindruckt, vertreiben wir uns ein wenig die Zeit bevor die Otter ihr Mittagessen erhalten. Frierend verharren wir am Ausbecken, doch diese Fütterung ist ein wenig anders gestaltet. Ein Mitarbeiter betritt das Gehege, stellt den Eimer ab, die drei wartenden Otter gehen an den Eimer, nehmen je ein Stück Fisch, eilen zurück und knabbern an ihrer Mahlzeit. Sind die quirligen Tierchen auch noch so niedlich, leiert der Pfleger seinen Text derart monoton und gelangweilt herunter, dass sich die Reihen der Zuschauer schnell lichten. 30 Minuten später steht die Pinguinfütterung an. Gleicher Pfleger, gleicher Enthusiasmus. Monoton sprechend wirft er unter dem Geschnatter der Pinguine die Fische ins Becken. Nicht einmal der spanische Tourist, der lautstark facetimed, dabei mehrfach „Pingüino, Pingüino“ schreit und sich schließlich mit einem katalanischen Schal vor den Tieren ablichten lässt, bringt Mr. Monoton aus der Ruhe. Wir haben genug gesehen, die Seehundfütterung findet ohne uns statt.


Zum Glück ist der Himmel inzwischen aufgeklart, so dass wir den Nachmittag in Ålesund verbringen. An einer Pommesbude trauen wir uns mit Salz & Essig gewürzte Fritten zu verköstigen – gar nicht so schlecht. Mit vollem Bauch schlendern wir durch die Stadt, die durch Häuser im Jugendstil gezeichnet ist, Trondheim aber nicht das Wasser reichen kann.


Seit wir das Nordkap erreicht haben, freute sich insbesondere Jasmin auf Fjaerland, Norwegens Bücherstadt. Stadt ist für das wirklich kleine Örtchen zwar ein wenig hoch gegriffen, dennoch haben wir trotz geringer Norwegisch Kenntnissen unsere Freude in den Regalen und Läden der Stadt zu stöbern. Selbst im Cafe, wo es unser obligatorisches Stück Torte gibt, kann man gebrauchte Koch-, aber auch Erotikbücher erwerben. Liebe geht bekanntlich durch den Magen.


Ein wenig weiter südlich von Fjaerland befindet sich die regenreichste Stadt Europas. Stilecht heißt uns Bergen mit starken Schauern willkommen. Mit etwa 270.000 Einwohner ist Bergen die zweitgrößte Stadt Norwegens. Dem schlechten Wetter trotzend besichtigen wir den schönen Hafen und seine kleinen Gassen. Leider wimmelt es nur so von Touristen, die das gleiche tun. Obgleich des schlechten Wetters, schieben sich unzählige Menschen durch die Straßen nahe dem Hafen. Außerdem empfinden wir die Stadt für norwegische Verhältnisse als recht verschmutzt. Ein wenig enttäuscht von Bergen erreichen wir nach etwa einer Stunde komplett durchnässt Frieda und fahren zum Bergen Science Center. Ein Museum in denen – vorrangig Kinder – diverse wissenschaftliche Experimente spielerisch erleben können. Nach lustigen, aber vor allem lauten drei Stunden verlassen wir das Museum gut gelaunt, ein wenig schlauer und mit dem Tages Highscore bei einem mathematischen Rätsel.


Nahezu die gesamten letzten Tage in Norwegen fallen sprichwörtlich ins Wasser. Es regnet fast ununterbrochen. Durch Juli sind wir gezwungen Frieda mehrmals am Tag zu verlassen und schon nach kurzer Zeit ist alles an Kleidung nass, was wir besitzen. Hier zeigt sich eindeutiges Verbesserungspotenzial für Teil 2 unserer Reise.

Skudeneshavn gönnt uns zumindest eine kleine Regenpause. Die Stadt liegt auf der Spitze der Insel Komöy und ist eine der flächenmäßig kleinesten in ganz Norwegen. Aufgrund der vielen schönen, weißen, kleinen Häuser ist der Ort ein beliebtes Sommerdomizil der Norweger. Da der Sommer in Norwegen mit dem Juli gleichgesetzt ist, haben wir die Stadt fast ganz für uns allein. Lediglich ein junger Norweger nimmt Dominiks behutsame Fahrweise auf den schmalen und kurvigen Straßen zur Stadt ein wenig übel und quittiert dies mit dem internationalen Zeichen für Dankeschön.


Es ist, als würde uns Norwegen nicht mit der vom Regen getrübten Laune gehen lassen wollen und so verbringen wir unseren letzten zwei Tage im strahlenden Sonnenschein spazierend am Meer und bereisen auch noch den südlichsten Punkt Norwegens. Wir können kaum glauben, dass der erste Teil unserer großen Reise schon vorüber ist. Am Ende ist da doch so etwas wie Wehmut. Wir können es zwar kaum erwarten andersartige Kulturen und Länder zu bereisen, aber nach sechs Wochen in Norwegen haben wir uns doch auch schon sehr an Land und Leute gewöhnt. Daher beenden wir Norwegen, wie Paulchen Panther jede seiner Folgen: „Heut ist nicht aller Tage, wir kommen wieder, keine Frage.“